Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kerzen herzustellen: Mit eindrucksvoller, moderner Technik bis hin zum althergebrachten Handwerk.
Die meisten Kerzen werden heute mit Kerzenzugmaschinen oder im Pulverpressverfahren produziert. Darüber hinaus können Kerzen auch in Formen gegossen werden, in deren Mitte der Docht gespannt ist. Und auch heute noch wird eines der ältesten Verfahren zur Kerzenherstellung angewandt: Das wiederholte senkrechte Eintauchen des Dochtes in eine flüssige Wachsmasse.
So sehen die Verfahren im einzelnen aus:

Kerzenzugmaschine
Die Maschine besteht aus zwei Zugtrommeln von etwa
1.5 m Durchmesser. Die sind im Abstand von 4 bis 5
m (halbautomatische Zugmaschine) oder auch im Abstand
von etwa 10 m (kontinuierlich arbeitende Kerzenzuganlage)
aufgestellt. Über die Trommeln können mehrere hundert
Meter Dochtstrang gewickelt und in einen Rundlauf
versetzt werden. Die untere Dochtstrecke durchläuft
ein Wachsbad, wobei der Docht jeweils eine Wachschicht
aufnimmt. Diese kühlt auf der weiteren Rundstrecke
des Dochtes ab, bis er zum Wachsbad zurückkehrt. Je
öfter der Docht durch das Bad gezogen wird, um so
stärker wird der Strang. Ist der gewünschte Durchmesser
erreicht, läßt man den Strang durch eine Abzugsvorrichtung
aus der Zugmaschine herauslaufen. Er gelangt in die
Schneidemaschine und wird in die gewünschte Kerzenlänge
geteilt. Mit diesem Verfahren ist eine Herstellung
von mehr als 10 000 Kerzen pro Stunde möglich.

Pulverpressverfahren
Zunächst werden durch Versprühen von flüssigem Paraffin und starkem Abkühlen der Sprühpartikel feines Pulver oder feine Späne hergestellt. Dieses Material wird durch ein Rohrsystem an die Kerzenmaschine geleitet, zum Beispiel an eine Strangpresse: Sie presst unter hohem Druck in einem Rohr das Wachs zusammen mit dem Docht, so dass ein endloser Strang entsteht.
Danach wird die gewünschte Kerzenlänge geschnitten.
Eine andere Möglichkeit: Das Granulat wird einer Stempelpresse zugeführt, die z.B. in acht Formen die gewünschten Kerzenformen zusammenpresst. Der Docht wird gleichzeitig über eine Hohlnadel mit eingepresst.
Gießmaschinen
Das Gießen von Wachs in Formen, in deren Mitte der
Docht gespannt ist, geschieht ebenfalls mit modernsten
Maschinen. Die Anlagen sind für verschiedene Wachsarten
und -mischungen geeignet. Reine Stearinkerzen lassen
sich bevorzugt im Gießverfahren herstellen (die anderen
Verfahren funktionieren hier nicht). Eine kleinere
Werkstatt wird sich mit einer Anlage für 480 Kerzen
pro Stunde begnügen. Ein großer Betrieb kann eine
Rundlaufgießmaschine einsetzen, die mit über tausend
Gießformen bestückt ist. So können etwa 10 000
Kerzen pro Stunde produziert werden.
Handarbeit
In vielen kleineren Betrieben und Werkstätten finden
sich halbautomatische Einrichtungen und traditionelles
Handwerk. Manche Kerzensorten müssen auch heute noch
- statt mit der Fräsmaschine - von Hand "geköpfelt"
werden (früher: gestutzt), um ihnen die bekannte Spitze
zu geben. Ein Verfahren, das viel Übung und Fingerspitzengefühl
verlangt. Wie auch das manuelle Tunken, Rollen und
Lochen der Kerzen. Manche Betriebe sind auf Altarkerzen
spezialisiert, andere auf die Verarbeitung von Bienenwachs.
Die meisten widmen sich jedoch der Herstellung ausgefallen
geformter und verzierter Kerzen. Geduld, Phantasie
und künstlerisches Einfühlungsvermögen sind die Haupttugenden
des Wachsbildners. Zu seinem Werkzeug gehören u.a.
Spezialzangen, Modellierhölzer und Pinsel. Mit Klebwachs
werden selbstgefertigte Wachsreliefs auf die Kerze
gebracht, anschließend retuschiert und patiniert.
Der Wachsbildner muß mit Silikonkautschukformen umgehen,
sein eigenes Holz- oder Gipsmodel herstellen und ausgießen
können.