Packenträger waren die eigentlichen Tödden

Die reisenden Kaufleute, die sogenannten Tödden, haben die Geschichte Hopstens maßgeblich bestimmt.
Der Ort war zwischen 1700 und 1750 Zentrum des Töddenhandels, und viele Großhändler lebten damals in Hopsten.
Die Tödden waren reisende Kaufleute, die durch Europa zogen und ihr Leinen, das sie hauptsächlich aus dem
Ravensberger Land bezogen, verkauften. Das Wort »Tödde« stammt offenbar aus ihrer Geheimsprache und soll
Kaufmann heißen. Abgeleitet ist es wohl von dem plattdeutschen Wort »totten« (tragen).
Andere Erklärungen leiten es von den sogenannten »Teuten« aus Brabant ab, wo mit »Teuten« Händler allgemein bezeichnet wurden.
Man unterscheidet im allgemeinen drei Arten von Tödden:
- die Töddennachfahren
- die Töddengroßhändler
- und die Packenträger
Die
Töddennachfahren sind die Besitzer großer Textilkaufhäuser
oder Ketten wie C & A oder Hettlage. Ihre Vorfahren
begannen als einfache Tödden und wurden später zu seßhaften
städtischen Kaufleuten.
Die Töddengroßhändler versorgten
die Packenträger mit Waren. Jeder von ihnen hatte
bis zu 100 Träger in seinem Dienst, die die Waren
zum Endverbraucher brachten. In Hopsten bekannte Großhändler
waren Hermann Pogge (Haus Nieland), Jürgen Theissen
(Hotel Kerssen-Brons), die Familie Veerkamp (Bürgerhaus
Veerkamp) und die Familie Brüggemann.
Die eigentlichen Tödden waren die Packenträger.
Sie gingen gewöhnlich im Februar eines Jahres in ihre
Absatzgebiete, kehrten zur Erntezeit im Sommer zurück,
und gingen im August erneut los, ehe sie bei Wintereinbruch
wieder zurückkamen. Ihr Packen oder Tragpacken war
eine Art Rucksack. Er war unten mit einer Naht versehen
und konnte oben zugebunden oder vom Zoll mit einem
Siegel versehen werden. Die Packenträger trugen etwa
30 Kilogramm Ware von einem Ort zum anderen, meist
in der späten Abend- oder Nachtzeit.
Der Beginn des Töddenhandels wird in den 30jährigen Krieg zurückdatiert.
Die Zahl der Packenträger stieg um 1700 mit dem Aufschwung der Leinenprodutkion
im Ravensberger Land stark an. Seinen Höhepunkt hatte der Töddenhandel
in Hopsten um 1750, als etwa 250 Personen als Reisende unterwegs waren.
Nach 1818 ging die Zeit der Tödden langsam zu Ende. Aus den wandernden
Händlern wurden vielfach städtische Kaufleute, die häufig Textil- und Konfektionshäuser eröffneten.
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Quelle: Westfälische Nachrichten www.wn-online.de