
Bei einer Kerze ist Wachs
der Brennstoff. Wachs besteht aus einfach gebauten
Kohlenwasserstoffketten: ca 18 - 20 Kohlenstoffatome,
die an den Seiten noch Wasserstoffatome tragen; Kohlenstoff
und Wasserstoff sind übrigens die Hauptbestandteile
von fast allen brennbaren Substanzen. Bei Zimmertemperatur
ist Wachs fest; zündet man den Docht an, beginnt das
Wachs, zu schmelzen. "Schmelzen" bedeutet, daß die
Hitze die Wachsmoleküle in Bewegung versetzt. Die
Wachsketten lösen sich voneinander - das Wachs wird
"flüssig" - und vom Docht hochgesogen; die starke
Hitze bringt die Wachsmoleküle dazu, sich noch heftiger
zu bewegen, sie lösen sich vom Docht und zerbrechen
schließlich in kurze Stücke. Diese Spaltung durch
Hitzeenergie nennt man "Pyrolyse"; die kurzen Bruchstücke
sind viel reaktionsfreudiger als die langen, trägen
Wachsketten. Jetzt kommt der Luftsauerstoff zum Zuge
und reagiert mit dem Wasserstoff in den Bruchstücken.
Das ist die eigentliche Verbrennung: aus Sauerstoff
und Wasserstoff entsteht unsichtbarer Wasserdampf.
Dabei wird viel Energie in Form von Licht und Wärme
frei. Diese Energie zerlegt immer mehr Brennstoff
in kleine Bruchstücke, die dann wiederum mit Sauerstoff
reagieren. Eine Kettenreaktion ist in Gang gekommen,
das Feuer brennt von alleine weiter. Ein Teil der
Energie wird dabei in Form von blauem Licht abgestrahlt,
wie man es an der Basis der Kerzenflamme sieht. Zurück
bleiben die Kohlenstoffatome, die kleine, kugelförmige
Partikel bilden; diese Partikel sind über 1000 Grad
Celsius heiß und glühen deshalb in dem typischen warmen,
gelben Licht, das eine Kerze so gemütlich macht.